Andacht März bis Mai 2025

Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken.
– Monatsspruch März ⋅ 3. Mose 19,33

Pastor Hans Martin Renno

Liebe Leserin, lieber Leser,

woran denken Sie beim oben stehenden Monatsspruch für März 2025?

Die Gewaltattacken von Mannheim, Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg, die von Menschen begangen wurden, die als Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind, denen Asyl verwehrt wurde, und die dann schreckliche Gewalttaten an unschuldigen Mitmenschen begangen haben, haben das Thema Flucht, Asyl und Migration(spolitik) zum Hauptthema des Bundestags-Wahlkampfes gemacht, der beim Erscheinen dieses Gemeindebriefes wenige Tage vorüber ist.

Die Gewalttaten haben Ängste und große Verunsicherung ausgelöst. Darauf will die Politik mit Gesetzen, Ordnungen, Vorschriften, Anweisungen reagieren. Am „grünen Tisch“ werden in der Theorie Konzepte entwickelt, wie mit Menschen, die auf der Flucht sind, umzugehen ist. Wie Grenzschutzbeamte und Bedienstete in den Ämtern sich Geflüchteten gegenüber verhalten sollen und müssen.

Der Monatsspruch für März 2025, der im sogenannten Heiligkeitsgesetz steht, hat dagegen eine ganz andere Perspektive. Zwischen Speisegeboten, dem Gebot, seine Tochter nicht zur Hure zu machen, dem Gebot, alte Menschen zu ehren, einander nicht zu betrügen usw., steht das Gebot, einen Fremden nicht zu unterdrücken, sondern ihn wie einen Einheimischen anzusehen und ihn zu lieben wie sich selbst.

Das Heiligkeitsgesetz (3. Mose 17 bis 26) ist eine Sammlung von „Grundprinzipien einer achtsamen Lebensführung“. Ausgangspunkt ist der Grundsatz „Ich bin der Herr, dein Gott!“ Er bindet alle Lebensregeln und die Grunderfahrung der Befreiung aus Ungerechtigkeit zu Freiheit zusammen. Heiligkeit, das Wesen des befreienden Gottes, spiegelt sich als Rechtsordnung gemeinsamen Lebens, die Migrantinnen und Migranten, soziale Ungleichheiten und Beeinträchtigte nicht übergeht.

Es geht im Heiligkeitsgesetz um das gesamte, konkrete, gelebte Leben - Solidarität mit Mitmenschen und Natur eingeschlossen.

Uns heute geht es – ganz allgemein formuliert - ausgehend vom Heiligkeitsgesetz und dem Gebot der „Fremdenliebe“ um den christlichen Glauben, der bescheiden, eindeutig, nachvollziehbar, alltagsrelevant und menschlich ist; der im wörtlichen Sinn glaub-würdig ist und Zukunft eröffnet. Diesem Glauben entspricht die Haltung den Mitmenschen, den Fremden und damit auch geflüchteten Menschen zu achten, anzunehmen, wertzuschätzen und nicht zu unterdrücken. Die Begründung lautet: „Denn im Land Ägypten seid auch ihr Fremde gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott“. (3. Mose 19,34)

Das alte Gebot „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken“ ist ziemlich aktuell. Es fordert uns auf, den Blick zu weiten auf die Menschen und das Umfeld, in dem wir den Glauben (an den liebenden Gott, an den erlösenden Jesus Christus und an den befreienden Geist Gottes) leben.

Wir brauchen Gemeinschaft. Wir gehören zueinander in Kirche und Welt. Einheimische und Fremde. Eine Auf-Gabe.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Hans Martin Renno

 

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