Andacht September bis November 2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
Die Bank am Waldrand.
Es war ein kühler Septembermorgen, als Anna zum ersten Mal die alte Bank am Waldrand entdeckte. Sie war auf dem Weg zur Arbeit, der Kopf voller Aufgaben, Termine, ungelöster Gespräche. Die letzten Monate hatten Spuren hinterlassen – in der Gemeinde, in ihrem Herzen, in den Beziehungen, die ihr eigentlich Halt geben sollten.
Die Bank stand da, unscheinbar, ein wenig schief, mit Moos überzogen. Doch etwas an der Bank zog Anna an. Sie setzte sich. Und zum ersten Mal seit Wochen atmete sie tief durch.
Vor ihr lag ein weiter Blick über Felder und Wälder. Die Farben des Herbstes begannen gerade, sich zu zeigen. Und in dieser Stille hörte sie einen Satz, der nicht von ihr kam: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.“ Ein einfacher Satz. Ein alter Satz. Ein Satz, den sie kannte – und doch hatte sie ihn vergessen.
Die Herausforderung
Anna wusste, dass dieser Satz nicht bedeutete: „Alles wird leicht.“ Er bedeutete: „Du bist nicht allein, wenn es schwer wird.“
In den kommenden Wochen kehrte sie immer wieder zu dieser Bank zurück. Manchmal voller Hoffnung, manchmal voller Müdigkeit. Und jedes Mal wurde ihr bewusst: Gott nimmt uns nicht aus den Herausforderungen heraus – aber er geht hinein mit uns.
Die Bank wurde für sie zu einem Ort der Wahrheit. Die Wahrheit, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben. Die Wahrheit, dass Vertrauen nicht bedeutet, alles zu verstehen. Die Wahrheit, dass Gott nicht nur im Erfolg spricht, sondern gerade im Ringen.
Die Ermutigung
Im November, als die Tage kürzer wurden und der Wind schärfer über die Felder strich, brachte Anna eine Freundin mit zur Bank. „Hier habe ich wieder gelernt zu hören“, sagte sie. „Hier habe ich gemerkt, dass Gott mich nicht ruft, perfekt zu sein – sondern präsent.“
Ihre Freundin nickte. „Vielleicht brauchen wir alle so eine Bank“, sagte sie. „Einen Ort, an dem wir uns erinnern lassen, dass Gott uns nicht aufgibt.“
Und Anna lächelte. Denn sie wusste: Die Bank war nicht der besondere Ort. Der besondere Ort war Gottes Nähe – und die ist nicht an Holz und Moos gebunden.
Gedanke für unseren Bezirk
Wir als Bezirk EmK Pforzheim/Enzkreis stehen in herausfordernden Monaten. Entscheidungen, Veränderungen, neue Wege – all das fordert uns heraus. Aber genau hier hinein spricht Gott: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“
Vielleicht ist unser Bezirk gerade wie diese Bank: Ein Ort, an dem Menschen sitzen dürfen, mit allem, was sie tragen. Ein Ort, an dem Mut wachsen darf. Ein Ort, an dem wir uns gegenseitig erinnern: Gott geht mit.
Pastor Markus Gumpfer